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© Diözese Eisenstadt/Walter Fikisz

Über die Wichtigkeit klarer Begriffe


„Zwischen Himmel, Herz und Hörsaal“,
von Alexia Weiss und Daniela Mathis, 7.4.

Programm-Manager Robert Staubmann „klärt“ uns auf: Ethik sei nicht, wie oft fälschlicherweise angenommen, eine „Wertevermittlung“, sondern die Beförderung des selbständigen Denkens, der Urteils- und Argumentationskompetenz. Dazu könnte man überspitzt formuliert bemerken: Das ist zu wenig. Denn der norwegische Attentäter Anders Breivik hat auch selbständig gedacht und sich Urteils- und Argumentationskompetenz angemaßt.

Und dann noch etwas: Das österreichische Schulorganisationsgesetz von 1962 schreibt eindeutig die normative Ethik für den schulischen Unterricht vor. Dass dabei natürlich auch die sogenannte Metaethik und die deskriptive Ethik zu berücksichtigen sind, weiß jeder, der sich mit dem Fach Ethik professionell beschäftigt hat. Ich selbst habe eines meiner Bücher mit dem Titel „Ethisch richtig denken und handeln“ versehen und dabei einiges über die Wichtigkeit klarer Begriffe, die Vermeidung von Fehlschlüssen und dgl. ausgeführt.

Univ.-Prof. em. DDr. Valentin Zsifkovits, 7552 Stinatz

(Dieser Leserbrief erschien in „Die Presse“ am 19. April 2012, S. 28)

Ein abschreckendes Beispiel für einen nur deskriptiven Ethikunterricht


Thomas Kramar, ein Mitarbeiter der Tageszeitung „Die Presse“, hat am 21. November 2011 auf S. 20 dieser Zeitung einen Subtext publiziert, der ein abschreckendes Beispiel eines Plädoyers für einen nur deskriptiven Ethikunterricht darstellt. Er vertritt darin u. a. die Meinung, dass die Ethik des Philosophen Peter Singer genauso in den Lehrplan für Ethik gehört wie z. B. die Ethik von Immanuel Kant, und zwar wertfrei und nicht wertend, also deskriptiv und nicht normativ.

Th. Kramar schreibt u. a., Peter Singer erwäge etwa Euthanasie für Schwerbehinderte. Hinzuzufügen ist, dass Peter Singer in seinem Buch „Praktische Ethik“ folgende Meinung vertritt: „Das Leben eines Neugeborenen ist weniger wert als das Leben eines Schweines, eines Hundes oder eines Schimpansen.“ Das Ganze ist meiner Meinung nach eine Beleidigung all jener, die unter den Morden der Nazis an behinderten Kindern zu leiden hatten und heute noch leiden. Ich weiß, wovon ich rede. In meinem Buch „Medizinethik mit Herz und Vernunft“ kann man auf S. 128 Diesbezügliches nachlesen.

Th. Kramar schreibt weiters: Berufung auf „Werte“ nutze nicht viel. Aus Wörtern wie „Freiheit“ oder gar „Gerechtigkeit“ könne man vielerlei lesen. Dazu muss ich sagen: Eine solche Aussage ist eigentlich eine Verhöhnung aller Menschenrechtsdeklarationen und –konventionen sowie aller Grund- und Freiheitsrechte demokratischer Staaten. Prof. Valentin Zsifkovits

(Dieser Artikel erschien in „JA – die neue Kirchenzeitung“ am 1. Jänner 2012, S. 7)

Erziehung bedarf einer Vermittlung von Werten


Ethische Normen können nicht wertfrei vermittelt werden  Ein Plädoyer für den Religionsunterricht an Schulen   

GASTKOMMENTAR VON VALENTIN ZSIFKOVITS  

 Immer, wenn gesellschaftliche Probleme bzw. Missstände zu deutlich ins öffentliche  Bewusstsein treten, ertönt der Ruf nach Ethik bzw. Moral. Anton Bucher knüpft an  den österreichischen Korruptionssumpf an und fordert dabei die Einführung des  Pflichtfaches „Ethik und Religionskunde“ an den Schulen („Die Presse“, Gastkommentar,  3.10.). Ich teile seine Meinung bis auf einen Vorbehalt – falls meine Vermutung  stimmt, dass es sich dabei um deskriptive Ethik und deskriptive Religionskunde  handelt.  

Ethische Werte und Normen können nicht deskriptiv, also wertfrei, vermittelt werden,  sondern müssen normativ, also argumentativ begründet und beispielhaft motivierend  vermittelt werden. Deshalb plädiere ich für folgende Lösung: Religionsunterricht für  alle als Pflichtfach mit Abmeldemöglichkeit, durchgeführt von den staatlich anerkannten  Religionsgemeinschaften und kontrolliert durch die jeweilige Religionsgemeinschaft  und staatliche Einrichtung, Ethik als Pflichtfach für alle, die sich vom Religionsunterricht  abmelden, wobei es sich um normative Ethik handeln muss, zu deren  besserem Verständnis natürlich auch Meta-Ethik und deskriptive Ethik dienen können.

Nur eine normative Ethik vermittelt Überzeugungen und Handlungen von Menschen  und Gruppen verbindlich empfehlend. Anders ausgedrückt: Erziehung bedarf einer  Vermittlung von Werten und Normen mit Herz und Vernunft, also begründend und  motivierend in Wort und Vorbild. Außerdem ist zu beachten, dass der Zielparagraph  (§ 2 Abs 1) des österreichischen Schulorganisationsgesetzes aus dem Jahre 1962 für  die Schule als Ganze formuliert, was auch für einen etwaigen Ethikunterricht gilt: „Die  österreichische Schule hat die Aufgabe, an der Entwicklung der Anlagen der Jugend  nach den sittlichen, religiösen und sozialen Werten sowie nach den Werten des Wahren,  Guten und Schönen durch einen ihrer Entwicklungsstufe und ihrem Bildungsweg  entsprechenden Unterricht mitzuwirken.“ Damit ist eindeutig und wesentlich auch die  normative Ethik gemeint. Ein unverbindliches Analysieren und Beschreiben genügt  hier nicht. Ein solches könnte eher die Gefahr von Manipulation durch verkappte ideologische  „Gurus“, Vorfeldterroristen und dergleichen mehr begünstigen.

Was den Religionsunterricht anlangt, ist noch Folgendes zu betonen: Ein am Wohl der  Menschen wirklich interessierter Staat wird die Religionen bzw. die Kirchen samt ihrem  notwendigen Freiheitsraum fördern und nicht behindern. Denn der Staat und seine  Rechtsordnung können letztlich nur funktionieren, wenn sie vom sittlichen Bewusstsein  der Bürger begleitet bzw. getragen werden. Nun kann aber der Staat mit seinem  Gewaltmonopol Sittlichkeit nicht begründen, dazu bedarf es sinnstiftender und sinnvermittelnder  Institutionen, unter denen die Kirchen bzw. Religionsgemeinschaften  einen besonderen Platz einnehmen.  

 (Dieser Gastkommentar erschien in „Die Presse“ am 31. Oktober 2011, S.20)