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© Diözese Eisenstadt/Walter Fikisz

Religionsunterricht und Katechese

von Erich Seifner

Katechese meint eine ganzheitliche Einführung in den Glauben. Sie will junge wie erwachsene Menschen mit Herz, Hand und Verstand hinführen zu Jesus Christus und sie einführen in den Glauben und in das Leben der Kirche.

Gerade in unserer Zeit heute, in der wir einen enormen Schwund an Christlichkeit und Kirchlichkeit erleben und in der ein Großteil derer, die noch aktiv am kirchlichen Leben teilnehmen, sich im „Katechumenats-Status“ (Papst Benedikt XVI.) befindet, kommt der Katechese große Bedeutung zu.
Für Papst Franziskus ist die Katechese „die Mitte der Evangelisierungstätigkeit und jedes Bemühens um Erneuerung“ (Evangelii gaudium, 164) und für Kardinal Walter Kasper „der Schlüssel für die Zukunft der Kirche“.

Im Unterschied zur Katechese, deren primärer Ort die Pfarrgemeinde ist, wendet sich der Religionsunterricht in der Schule nicht nur an gläubige und glaubenswillige, sondern auch an suchende und zweifelnde sowie an sich als ungläubig verstehende Schülerinnen und Schüler.
Im Religionsunterricht erwerben Schülerinnen und Schüler ihre religiöse Kompetenz durch die erfahrungsbezogene Auseinandersetzung mit

  • Menschen und ihrer Lebensorientierung,
  • der gelehrten und gelebten Bezugsreligion,
  • Religion in Gesellschaft und Kultur,
  • religiöser und weltanschaulicher Vielfalt.

Die veränderte religiöse Situation heute – immer mehr junge Menschen ohne religiöse Praxis! - scheint den Religionsunterricht vor die Alternative zu stellen, entweder nur Schülerer- fahrungen zu thematisieren oder das christliche Glaubenswissen in religionskundlicher Weise zu vermitteln. Beides entspricht nicht den Zielen des katholischen Religionsunterrichts.

Das Besondere des „konfessionellen“ Religionsunterrichts liegt darin, dass Glaube und Kirche in der Perspektive der Teilnehmer thematisiert werden. Der Unterricht wird von Lehre- rinnen und Lehrern erteilt, die das Bekenntnis der Kirche teilen und auch am kirchlichen Leben teilnehmen. Seine Inhalte und Werte, die er vermittelt, sind von diesem Bekenntnis bestimmt und somit eindeutig „etikettiert“. Auch wenn die meisten Schülerinnen und Schüler kaum Erfahrungen mit Glaube und Kirche haben, sind sie doch in der Regel durch die Taufe mit ihr verbunden.

Die Vermittlung von religiöser Kompetenz im Schulfach Religion ist grundsätzlich von der Hinführung auf den Empfang der Sakramente in der Pfarrgemeinde zu unterscheiden. Den- noch sollen sich Religionsunterricht und Gemeindekatechese ergänzen und, wo es sinnvoll und möglich ist, zusammenarbeiten wie zum Beispiel bei der Erstkommunion- und Firm- vorbereitung.
Eine Zusammenarbeit von Religionslehrerinnen und Religionslehrern einerseits und von den in der Pastoral tätigen Personen andererseits liegt auch ganz im Interesse an der gemeinsamen Sache, zumal eine Pfarrpastoral, die die Jugendarbeit ernstnimmt, wie auch ein guter Religionsunterricht bemüht sein werden, junge Menschen anzustiften und zu motivieren, eigene Erfahrungen mit Glaube und Kirche zu machen und als Christen zu leben.

„Idealerweise ergänzen sich Katechese und Religionsunterricht wie Standbein und Spielbein.“ (Monika Scheidler) In den letzten 30 Jahren ist der schulische Religionsunterricht für die meisten Heranwachsenden das Standbein der religiösen Bildung gewesen, während die punktuellen katechetischen Begegnungen im Rahmen der Kommunion- und Firmvorberei- tung das Spielbein waren.

Gerade heute in pluralen und individualisierten Kontexten wäre es meines Erachtens auch aus religionspädagogischer Sicht sehr wichtig und notwendig, den schulischen Religionsunterricht und katechetische Lernwege als die „zwei notwendigen Beine“ weiter zu entwickeln, auf denen getaufte Kinder und Jugendliche christliches Leben kennen lernen und vertiefen können.